Wer sich mit Versicherungsratings beschäftigt, stößt schnell auf ein verwirrendes Phänomen: Ein und derselbe Versicherer kann von verschiedenen Agenturen unterschiedliche Noten erhalten. Ein Unternehmen mag bei **A.M. Best** ein „A+“ tragen, während **Standard & Poor’s (S&P)** ihm ein „AA-“ zuweist. Für den Laien klingt das nach einem Widerspruch. Tatsächlich verbirgt sich dahinter ein fundamentaler Unterschied in der Methodik und im Fokus der beiden Rating-Giganten.
Dieser Artikel entschlüsselt, warum diese Noten trotz unterschiedlicher Schreibweise oft die gleiche Sicherheitsstufe bedeuten und warum A.M. Best als Spezialist tendenziell strenger bewertet.
Der Fokus: Spezialist trifft Allrounder
Der Hauptunterschied liegt in der Spezialisierung der Agenturen:
- S&P Global Ratings: Ein globaler Allrounder, der die Kreditwürdigkeit von Staaten, Banken und Unternehmen aller Branchen bewertet. Das Insurer Financial Strength Rating (IFSR) ist Teil eines breiteren Spektrums. Die Skala ist auf die Bonität ausgerichtet, die auch für Anleihen gilt.
- A.M. Best: Der Spezialist. A.M. Best bewertet **ausschließlich** Versicherungsunternehmen. Ihr Financial Strength Rating (FSR) ist seit über 120 Jahren auf die spezifischen Risiken der Versicherungsbranche zugeschnitten.
Diese unterschiedliche Herangehensweise führt zu einer **Verschiebung der Skalen**. Während S&P eine breitere Skala verwendet, die sich an der allgemeinen Kreditwürdigkeit orientiert, nutzt A.M. Best eine Skala, die feiner auf die Versicherungsbranche zugeschnitten ist und tendenziell konservativer bewertet.
Die Übersetzung: A.M. Best ist strenger
Die Noten „A+“ (A.M. Best) und „AA-“ (S&P) liegen in der Regel auf einem vergleichbaren Sicherheitsniveau. Beide Noten signalisieren eine **sehr hohe Finanzstärke** und eine exzellente Fähigkeit, Verpflichtungen zu erfüllen. Die Unterschiede sind jedoch subtil:
- A.M. Best „A+“ (Superior): Diese Note bedeutet, dass der Versicherer eine **überragende** Fähigkeit besitzt, laufende Verpflichtungen zu erfüllen. Es ist die zweithöchste Kategorie (nach A++).
- S&P „AA-“ (Very Strong): Diese Note bedeutet, dass der Versicherer eine **sehr starke** Finanzkraft besitzt. Es ist die zweithöchste Kategorie (nach AAA).
Die Agenturen selbst veröffentlichen inoffizielle Konkordanztabellen, die zeigen, dass die obersten Stufen von A.M. Best (A++ und A+) oft den obersten Stufen von S&P (AAA und AA) entsprechen. Das „A+“ von A.M. Best wird von vielen Analysten als gleichwertig mit dem „AA-“ von S&P angesehen.
| A.M. Best FSR | A.M. Best Bedeutung | S&P IFSR | S&P Bedeutung | Vergleichbare Sicherheitsstufe |
|---|---|---|---|---|
| A++ | Superior (Höchste) | AAA | Extrem stark | Maximale Sicherheit |
| A+ | Superior (Sehr hoch) | AA- | Sehr stark | Premium-Sicherheit |
| A | Excellent | A+ | Stark | Hohe Sicherheit |
Warum ist das für den deutschen Kunden wichtig?
Für den deutschen Versicherungsnehmer, der eine langfristige Absicherung sucht, ist die Unterscheidung zwischen „A+“ und „AA-“ mehr als nur ein Buchstabenspiel. Sie zeigt, dass das Unternehmen von zwei unabhängigen, aber unterschiedlich fokussierten Experten als **Top-Anbieter** eingestuft wird. Die Konsistenz der hohen Bewertung über verschiedene Agenturen hinweg ist das stärkste Signal für Sicherheit.
Wenn ein Versicherer sowohl von A.M. Best als auch von S&P eine Top-Note erhält, bedeutet dies:
- Die **spezialisierte** Sicht (A.M. Best) bestätigt die exzellente Risikokultur und Kapitalausstattung, die für Versicherer typisch ist.
- Die **globale** Sicht (S&P) bestätigt die allgemeine Kreditwürdigkeit und die Fähigkeit, sich am Kapitalmarkt zu refinanzieren.
Fazit: Lassen Sie sich von den unterschiedlichen Notationen nicht verwirren. Das „A+“ von A.M. Best und das „AA-“ von S&P gehören beide zur absoluten Spitze der Versicherungsratings und signalisieren ein Höchstmaß an Sicherheit für Ihre Verträge.
Für eine vollständige Entschlüsselung aller Rating-Skalen und ihrer genauen Bedeutung im deutschen Markt, konsultieren Sie unseren umfassenden Artikel: Der Rating-Übersetzer.
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