Kapitalanlagepolitik von Versicherern

Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass die anhaltende Niedrigzinsphase ein nicht zu unterschätzendes Problem für Versicherungsunternehmen ist. Während bereits Banken über die niedrigen Zisen schimpfen, stellt sich für die Versicherer die Angelegenheit sehr viel ernster dar. Banken erhalten immerhin zu sehr günstigen Konditionen Geld und verleihen dies weiterhin zu höheren Zinsen an ihre Kunden weiter. Versicherungen aber stehen vor dem Dilemma, ihren Kunden langfristige Garantiezinsen (gesetzlich verbindlich) zugesagt zu haben, gleichzeitig aber diese Zinsen kaim noch am Kapitalmarkt erwirtschaften zu können. Auf lange Sicht sorgt zwar die Absenkung der Garantiezinsen für Entlastung, eine weiter lang andauernde Niedrigzinsphase (an der die hoch verschukldeten Staaten interssiert sein dürften) wird aber unweigerlich für große Verwerfungen im Versicherungsmarkt sorgen.

Das Thema Kapitalanlage hat daher für Versicherer eine ganz besondere Bedeutung. Eine sehr interessante Studie wurde jüngst von Fitch veröffentlicht:

Fitch Ratings Frankfurt / London – 20. Januar 2014: Fitch Ratings führt in einer heute veröffentlichten Analyse aus, dass die Risiken in den Kapitalanlagen Europäischer Versicherungen ansteigen. Auch wenn der Risikoanstieg bisher gering ist und wahrscheinlich gering bleiben wird, könnte er zu negativen Ratingveränderungen führen.

Im gegenwärtigen Niedrigzinsumfeld ist das Erreichen einer auskömmlichen Rendite auf die Kapitalanlagen die größte Herausforderung an den Europäischen Versicherungssektor. Eine Möglichkeit dem zu begegnen, ist die Umschichtung von festverzinslichen Anlagen in Anlageklassen mit höherer Renditeerwartung, wie zum Beispiel Aktien, Immobilien oder Alternative Anlagen. Dieser Weg wird von den Versicherungen allerdings kaum eingeschlagen; vielmehr sind die Anteile der Kapitalanlagen, die auf Aktien und Immobilien entfallen, in den letzten fünf Jahren zurückgegangen und Alternative Investitionen sind nach wie vor kaum von Bedeutung.

Während es kaum Umschichtungen von festverzinslichen Anlagen in riskantere Anlageklassen gegeben hat, sind die Kreditrisiken innerhalb der festverzinslichen Kapitalanlagen deutlich gestiegen. Dieser Anstieg wird von Fitch als potentiell negativ für ein Rating angesehen, auch wenn das bisher erreichte Risikoniveau noch keine Herabstufungen ausgelöst hat.

Fitch ist der Auffassung, dass die Anleihepreise über alle Risikoklassen und Laufzeiten eine hohe Bewertung erreicht haben und die Risikoprämien niedrig sind. Sollten die Marktzinsen steigen, würden auch die Risikoprämien ansteigen. Anleihen der höheren Risikoklassen und mit langen Laufzeiten würden in einem solchen Szenario stärkere Wertverluste erleiden als Anleihen mit niedrigem Risiko und kurzen Laufzeiten. Die Marktwerte der festverzinslichen Kapitalanlagen der Versicherer reagieren heute empfindlicher gegenüber Zinsanstiegen als in der Vergangenheit.

Über die letzten Jahre hat das Interesse von Versicherungen an Alternativen Anlagen zugenommen, jedoch repräsentieren diese Anlagen nach wie vor nur einen kleinen Teil der gesamten Kapitalanlagen der Versicherungen. Die Gründe dafür sind unter anderem die geringe Verfügbarkeit von Investitionsprojekten und aufwendigen Due-Diligence Prozesse. Letzteres führt auch dazu, dass solche Anlagen generell nur von größeren Versicherungen getätigt werden, die über die erforderlichen Ressourcen verfügen. Die vergleichsweise hohe Kapitalunterlegung, die unter Solvency II erforderlich sein wird, stellt eine weitere Hürde für Investitionen in Alternative Anlagen dar.

Fitch erwartet, dass der Anteil der Alternativen Anlagen an den Kapitalanlagen der Versicherer in Zukunft zunehmen wird. Es besteht ein großer Bedarf an Investitionen in den Bereichen Infrastruktur und Erneuerbare Energien, der von der Öffentlichen Hand aufgrund von Budgetbeschränkungen nicht finanziert werden kann. Folglich werden diese Investitionen von privater Hand finanziert werden müssen und Versicherungen sind hierzu gut geeignet, da sie Anlagemöglichkeiten benötigen, die zu ihren langfristigen und illiquiden Verbindlichkeiten passen.

Der Bericht, mit dem Titel ‘European Insurance: The Search for Investment Yield’, ist auf www.fitchratings.com erhältlich.

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