Die Finanzstärke Ihres Versicherers ist die Grundlage für Ihre langfristige Sicherheit. Doch die Recherche nach Ratings kann schnell kompliziert werden. Wo finde ich die Note? Was bedeuten die Buchstaben? Und wie interpretiere ich die Ergebnisse richtig?

Dieser **4-Schritte-Check** liefert Ihnen eine einfache, praxistaugliche Anleitung, mit der Sie die Finanzstärke Ihres Versicherers in weniger als 10 Minuten überprüfen können. Wir konzentrieren uns dabei auf die international anerkannten Ratings von S&P, Fitch und A.M. Best.

Schritt 1: Das Rating finden (Wo suchen?)

Die Ratingagenturen bewerten Unternehmen nur auf deren Wunsch und gegen Bezahlung. Ein Versicherer, der ein gutes Rating hat, wird dies aktiv kommunizieren. Die beste Anlaufstelle ist daher die Website des Versicherers selbst:

  • Investor Relations (IR): Suchen Sie nach dem Bereich „Investor Relations“, „Ratings“ oder „Solvabilität“. Hier werden die aktuellen Ratings und die zugehörigen Berichte veröffentlicht.
  • Pressemitteilungen: Bei einer Änderung des Ratings (Upgrade oder Downgrade) veröffentlichen die Unternehmen in der Regel eine Pressemitteilung.
  • Direkt bei der Agentur: Die Websites der Agenturen (S&P Global Ratings, Fitch Ratings, A.M. Best) bieten Suchfunktionen, um die Ratings der Unternehmen zu finden.

Wichtig: Achten Sie darauf, dass Sie das **Insurer Financial Strength Rating (IFSR)** oder das **Financial Strength Rating (FSR)** finden. Dies ist das Rating, das die Fähigkeit zur Bedienung von Versicherungsansprüchen bewertet.

Schritt 2: Die Note einordnen (Was bedeutet die Note?)

Sobald Sie die Note (z.B. „AA-“ von S&P oder „A+“ von A.M. Best) gefunden haben, müssen Sie sie in die richtige Sicherheitskategorie einordnen. Die Noten der Agenturen sind nicht direkt vergleichbar, aber sie lassen sich in die folgenden Sicherheitsbereiche übersetzen:

Sicherheitsstufe S&P / Fitch A.M. Best Bedeutung für den Kunden
Premium-Sicherheit AAA, AA+, AA, AA- A++, A+ Höchste Puffer, maximale Sicherheit.
Hohe Sicherheit A+, A, A- A, A- Starke Finanzkraft, sehr solide.
Grenzbereich BBB+, BBB, BBB- B++, B+ Ausreichend, aber geringere Puffer.

Für langfristige Verträge sollten Sie idealerweise einen Versicherer in der Kategorie **Premium-Sicherheit** oder **Hohe Sicherheit** wählen. Die genaue Übersetzung der Skalen finden Sie in unserem **Pillar-Artikel: Der Rating-Übersetzer** [^1].

Schritt 3: Den Ausblick prüfen (Wohin geht die Reise?)

Die Note ist eine Momentaufnahme. Der **Ausblick (Outlook)** ist die Prognose für die nächsten 12 bis 24 Monate und oft wichtiger als die Note selbst. Suchen Sie nach den Begriffen:

  • Stable (Stabil): Keine Änderung erwartet. Dies ist das beste Signal.
  • Positive (Positiv): Heraufstufung wahrscheinlich. Sehr gutes Signal.
  • Negative (Negativ): Herabstufung droht. **Warnsignal!**

Ein „A-“ mit stabilem Ausblick ist besser als ein „A+“ mit negativem Ausblick. Wenn der Ausblick negativ ist, sollten Sie die Gründe dafür recherchieren und die Entwicklung genau verfolgen.

Schritt 4: Zweitmeinung einholen (Der deutsche Kontext)

Internationale Ratings fokussieren sich stark auf die Finanzkraft. Für eine vollständige Bewertung sollten Sie immer eine Zweitmeinung aus dem deutschen Markt einholen:

  • Solvenzquote (SCR): Suchen Sie im SFCR-Bericht des Versicherers nach der Solvenzquote. Eine Quote deutlich über 150% ist ein starkes Zeichen für Sicherheit.
  • Nationale Ratings: Prüfen Sie Ratings von Agenturen wie Assekurata, die auch die Kundenorientierung und Servicequalität bewerten.

Fazit: Wissen ist Ihre beste Versicherung

Mit diesem 4-Schritte-Check können Sie schnell und fundiert die finanzielle Basis Ihres Versicherers bewerten. Die Note ist wichtig, aber der Ausblick und die Einordnung in den deutschen Kontext sind entscheidend für Ihre langfristige Sicherheit.


Referenzen

  1. Artikel: Der Rating-Übersetzer – Internationale Versicherungsratings verstehen
  2. S&P Global Ratings: Insurer Financial Strength Ratings Explained
  3. BaFin: Informationen zur Versicherungsaufsicht